• sarah.dubke

Wie ich meinen ersten Flug während der Pandemie antrat - und ob ich es wieder machen würde

Es war schon lange in meinem Kopf: Ich möchte meine Familie wiedersehen. Sie zu Hause in Deutschland besuchen. Zwar war meine Schwester im Oktober zusammen mit meinem Neffen bei uns in den Emiraten, meine Eltern hatte ich aber seit Februar 2020 nicht mehr gesehen.


Urspünglich war es mein Wunsch zu Weihnachten als Überraschung heimzufliegen. Als kurz vor den Feiertagen aber die britische Mutation des Virus auftauchte und plötzlich wieder Flüge gestrichen wurden, bekam ich kalte Füsse. Kalte Füsse ohne in den Winter zu fliegen. Stattdessen verharrte ich weiter in der Wüste.

Komplett aus dem Kopf war mein Vorhaben natürlich nicht. Es war nur verschoben. Ich wollte warten, bis auch der Lockdown in Deutschland vorüber war, sich die Situation bessern würde und ich den Familienbesuch mit ein paar Restaurantbesuchen und ein bißchen Shopping verbinden könnte. Nun ja, ich bin ein sehr positiver Mensch. Dachte, dass die oben beschriebene Situation innerhalb von wenigen Wochen eintreten würde. Tat sie aber nicht.


Die Sehnsucht wuchs. Letztendlich hielt ich mir beruflich mehr oder weniger zehn Tage Ende März, Anfang April und vor Ramadan im Hinterkopf für meine Reise frei - auch wenn sich in Deutschland, eigentlich überall nicht viel an der pandemiebedingten Situation geändert hatte. So erzählte ich „eines Montags“ meiner Schwester am Telefon von meiner Idee, aber auch den Schwierigkeiten, gute Flugverbindungen zu finden und vor allem meiner Sorge in Deutschland beziehungsweise in der Nähe von Chemnitz, wo meine Schwester lebt und mein Aufenthaltsort sein sollte, eine Covid-19-Teststation zu finden. Ich hatte noch für den gleichen Abend meinen Termin für meine erste Covid-19-Impfung. Natürlich gab es von diesem Moment an kein Halten mehr. Meine Schwester war voller Eifer dabei mir bei der Planung zu helfen und somit stand spätestens am Dienstag morgen fest: Ich werde Freitag

zu Samstag Nacht nach Deutschland reisen.


Den Flug buchte ich tatsächlich erst am späten Mittwoch Abend, als wir gemeinsam mehrere Varianten des PCR-Tests in Deutschland durchgeplant hatten. Ich war sehr angespannt. Natürlich ging auch die Flugbuchung nicht glatt: Meine Kreditkarte wollte die Zahlung nicht akzeptieren - Sicherheitsmaßnahme, ok, aber trotzdem nervig.


Am Donnerstag Mittag ging ich dann zum PCR-Test. In den Emiraten zahlt man dafür nur um die 40Euro und bekommt das Ergebnis innerhalb von 24-30Stunden (es gibt auch Expressverfahren, dieses brauchte ich aber nicht). Ich hatte mir die Zeit meines Tests haargenau ausgerechnet, organisiert wie ich eigentlich bin. Auch wenn es eine automatische Ansage bei der Klinik-Hotline mit allen Information bezüglich Test, Kosten, Dauer bis zum Ergebnis etc. gab, vergewisserte ich mich noch einmal bei einer „echten Person“. Man sagte mir, dass die Ergebnisse immer am Folgetag gegen 15.00Uhr raus gemailt würden. Gut, das müsste passen.

Für den Test musste ich einen Zettel ausfüllen: mit meiner Adresse sowie der meines Arbeitgebers und unterschreiben, dass ich mich in Quarantäne begeben würde, sollte mein Test positiv sein. Es ging alles sehr schnell. Ich wartete keine 15Min und schon war ich dran. Mein erster PCR-Test. Schön in die Nase rein. Ich hatte von vielen gehört, wie unangenehm es sein sollte. Bei mir hat es nur ein bissl gekitzelt und das wars. Absolut erträglich.

Mein Test in Richtung Deutschland mit Transit in den Niederlanden durfte 48 Stunden vor Einreise in Deutschland gemacht werden. Ich hatte nach dem Test noch einen Nervenzusammenbruch, da ich wirklich wahnsinnig nervös war, dass alles klappen wird. In der Klinik sagte man mir, dass ich am nächsten Tag mittags, wenn ich Glück habe schon beim Aufstehen wohl schon das Ergebnis haben würde. Super, noch schneller als die erste Info.


Ich checkte direkt nach dem Aufstehen meine Mails. Nichts. Da ich aber die App der Klinik nutze, schaute ich dort einfach mal in meine Laborergebnisse rein. Und siehe da: Der Bericht war da. Negativ. Puh. Eine Last fiel von mir ab. Weniger als 24 Stunden vor Reiseantritt wusste ich nun, dass meiner Reise wohl nichts mehr im Wege steht.


Als nächstes füllte ich die

notwendige „Einreiseanmeldung“ online aus, die man für die Einreise nach Deutschland momentan benötigt. Darin muss man auch ausfüllen, wo man während seines Besuchs unterkommt. Ich gab die Adresse meine Schwester ein. Wenige Stunden später hatte ich schon eine eMail des Gesundheitsamts Chemnitz, die mich noch einmal über die Quarantäneregeln und die Ausnahmen informierten. Und hier ist der wichtige Punkt für mich, so absurd er auch ist: Menschen ohne Wohnsitz in Deutschland, die Verwandte ersten oder zweiten Grades in Deutschland besuchen (bzw. in Sachsen, je nach Bundesland kann dies anders sein & dies gilt auch nicht für Einreisende aus Mutationsgebieten), müssen nicht in Quarantäne gehen, wenn sie maximal 48 Stunden vor Einreise nach Deutschland einen PCR-Test gemacht haben der negativ war. Ich hatte bereits Ende letzten Jahres von dieser Ausnahme gehört und dies war überhaupt der Grund, weshalb ich die Reise antreten konnte. Mit der langen Quarantäne wäre ein kurzer Besuch bei der Familie bei mir wahrscheinlich nicht in Frage gekommen.


Dann ging es ans Packen, noch schnell ein paar Mitbringsel besorgen innerhalb kürzester Zeit und ja, dann war auch schon Freitag Abend und mein Mann brachte mich zum Flughafen.

Wie immer hatte ich mich schon online eingecheckt. Beim luggage-drop musste ich meinen ausgedruckten PCR-Test vorzeigen, dieser wurde an meinen Boarding-Pass getackert. Auch frug mich die Dame nach meiner Einreiseanmeldung. Dann durfte ich los!


Ich flog übrigens von Terminal 3, da Terminal 1 noch immer geschlossen ist. Normalerweise fliegen von Terminal 3 nur Emirates-Flüge, aber seit der Grenzschließung im Frühjahr 2020 nicht mehr. Wo früher nur Residents der Emirate mit der Emirates-ID die Smart-Gates nutzen durften, können nun fast alle mit dem Reisepass ohne Menschenkontakt die Immigration passieren. Die Sicherheitskontrolle war wie immer mit Menschenkontakt, nur, dass jetzt die Kisten nach jeder Nutzung desinfiziert werden.

Wie immer lief ich zur Lounge. In Dubai haben die Lounges noch geöffnet, allerdings gibt es kein Büffet mehr, sondern ein A la Carte-Menü. Ich ging sehr pünktlich zum Gate, da ich mir dachte, dass auch dort die Kontrollen nochmal länger als normalerweise dauern, auch wegen des social distancings. Es waren kaum andere Passagiere am Gate. Das Boarding ging auch sehr schnell. Mittlerweile hatte ich meine normale Maske und darüber eine KN95 an. Safety first.


Der Flieger war vielleicht zu 20% belegt. Meinen Lieblingsplatz - am Fenster - wechselte ich sofort nach dem Start und dem Pling, welches anzeigt, dass man ab sofort nicht mehr angeschnallt sein muss - auf die Viererreihe in der Mitte des Fliegers. Ich sprühte wieder alles mit Desinfektionsmittel ein und begab mich dann für mehrere Stunden in einen tatsächlich sehr bequemen Schlaf. Essen wurde keines gereicht. Ich denke aber, dass ich es einfach verschlafen habe.

Morgens kam ich in Amsterdam an und ging zum Frühstück in die Lounge. Hier gab es tatsächlich ein Büffet, aber die Speisen waren alle in Folie eingepackt, man durfte sich aber selbst bedienen. Ich ging wider pünktlich zu meinem Gate und für den Anschlussflug nach Berlin und hier war schon mehr los. Ich hatte trotzdem meinen Fensterplatz für mich und niemand sass neben mir. Das schien im ganzen Flieger so praktiziert worden zu sein. Nur zusammengebuchte Passagiere, Pärchen beispielsweise, sassen gemeinsam in einer 2-er Sitzreihe.

In Berlin angekommen wurden direkt beim Betreten des Terminals unser Pass und die Einreiseanmeldung kontrolliert. Dann ging es wie immer zum Gepäckabholen und meine Bahnfahrt nach Chemnitz rundete meine Reise nach Chemnitz ab.

Ich genoss wunderschöne Tage mit meiner Familie. Direkt an den ersten Tagen in Chemnitz gingen wir dort beim Test-Center vorbei um das, was wir online gelesen hatten, zu bestätigen. Für meine Rückreise in die Emirate durfte mein Test 72 Stunden vor Abreise der Destination gemacht werden (auf solche Kleinigkeiten sollte man unbedingt achten!). Das Ergebnis solle ich innerhalb von 24-30Stunden erhalten, einen Termin zum Testen bräuchte ich nicht. Ergebnis wird automatisch auf Englisch ausgestellt. Kosten gute 170Euro. Ist so. Ja, ist auch viel Geld, aber das ist es mir wert dafür endlich meine Familie wiedergesehen zu haben. Ich hätte auch einen guten Tag eher nach Berlin fahren können um dort einen günstigeren Test machen zu können und dann eine Nacht dort im Hotel schlafen zu können. Am Ende wären die Kosten ähnlich gewesen aber ich hätte mindestens 36 Stunden weniger mit meiner Familie gehabt. Das war es mir definitiv nicht wert.


Noch vor unserem Osterfrühstück stand ich also wieder am Test-Center bereit. Hier gab man man leicht abweichende Informationen von denen, die ich ein paar Tage vorher genau dort erfragt hatte, aber es schien alles noch ok zu sein. Normalerweise bekommt man sein Ergebnis per SMS zusammen mit einem Link und nutzt dann seine Krankenkassenkarte als Passwort um sich den Bericht anzusehen und ausdrucken zu können. Da ich ja keine (deutsche) Krankenkassenkarte besitze, solle ich die Hotline des Labors anrufen und denen mitteilen, dass sie mir das Ergebnis mailen sollen. Diese Information wurde mir mit dem Zusatz „Da müssen sie hartnäckig sein, wir haben da auch oft Probleme mal durchzukommen“ gegeben. Puls in die Höhe. Nicht gerade aufbauend diese Worte, wenn das Reisen doch momentan eh so nervenraubend ist. Der Test wird auf Rechnung gemacht. Die Rechnung dann an meine Schwester geschickt.


Der nette Herr an der Registrierung vergass noch eine Ziffer meiner Reiepassnummer bei der Registrierung, was mir glücklicherweise auffiel, da eine inkorrekte Passnummer auf dem Testbericht zu großen Problemen führen würde. Dann durfte ich in die Test-Kabine. Der Abstrich wurde hier im Rachen gemacht, was mich kurzzeitig wieder verwirrte: Ist das akzeptabel in den Emiraten? Man versicherte mir, dass auf dem Befund sowieso nur negativ drauf stehe und PCR-Test, nicht aber die Art der Entnahme.


Meine Schwester, die mich zum Test-Zentrum gefahren hatte, nahm dann direkt nochmal das kostenlose Angebot des Schnelltests in Anspruch. Dieser war negativ, was mich sehr positiv stimmte, dass meiner mit hohen Wahrscheinlichkeit auch negativ sein würde. Schließlich hatten wir die letzten Tage in einem Haushalt gelebt.


Dann rief ich also das Labor an dort sagte man mir, dass das Zentrum mir quasi eine falsche Information gegeben habe. Das Ergebnis des Tests bekommt man in der Regel 24 Stunden nach Testeingang im Labor, nicht aber nach Abstrich. Ich könne das Ergebnis also erst am Montagabend erwarten, frühestens. Es könne auch erst am Dienstag morgen eintrudeln. Herzschlag. Uff, das wird knapp. Am Dienstag morgen um 6.00Uhr würde ich mich auf den Weg zum Flughafen machen. Die Dame am Telefon war aber sehr nett und sagte ich solle am Montag morgen schonmal anrufen und die Kollegen daran erinnern, dass ich den Befund auf Englisch brauche.


Es wurde also Montag morgen und ich rief das Labor an. Nach kurzer Überprüfung meiner Identität sagte man mir, dass ich negativ sei und sie mir das Ergebnis nun mailen würden. Gott, ein Stein fiel von meinem Herzen. Damit ging ja doch alles ganz fix.

Natürlich kam der Befund aber doch auf Deutsch mit nur kleiner kurzer Übersetzung auf Englisch darunter. Klar, das wichtigste stand da, aber ich war ja sowieso schon wieder nervös und rief nochmal an um darauf hinzuweisen. Ich solle eine eMail an die und die Adresse senden mit der Bitte um englischen Befund. „Jaja, die Dame ruft einmal am Tag ihre Mails ab, machen sie sich keine Sorgen, sie bekommen ihre Übersetzung bis heute Abend.“. Ich bekam sie natürlich nicht, aber meine Schwester beruhigte mich, dass der Report schon ok sei so wie er sei.


Kleiner Sprung. Ankunft am Flughafen in Berlin. Check-in. Ist natürlich momentan nicht leicht einen Check-in zu machen, mit all den verschiedenen Bedingungen, die man je Destination für seine Reise erfüllen muss. Negativer PCR-Test war natürlich wichtig. Ich sollte dann noch meine Reiseversicherung vorweisen, was in meinen Augen sinnlos war, da ich ja eine für Deutschland abgeschlossen hatte und in den Emiraten wieder normal versucht bin. Man frug mich auch nach der Einreisebestätigung aus Dubai, wo ich dem Personal dann sagte, dass dieses nur für Dubai-Visa-Holders gelte, mein Visa aber in Sharjah ausgestellt sei. Naja, ist ja wie gesagt auch schwierig im Moment. Ich konnte die Dame am Check-in dann davon überzeugen, dass ich diese nicht brauche - hätte sie ja mit meinem Visa für Sharjah auch nie erhalten oder überhaupt beantragen können.

Mit einem Lächeln geht eh alles am Besten. Ich hatte nette Gespräche nicht nur mit der Dame am Check-in, sondern auch mit den Herren beim Tax-Refund, an der Sicherheit, an der Information achja, und auch beim Warten in der Schlange beim Check-in.


Normalerweise wäre ich dann natürlich in die Airport Lounge gegangen. Tja, leider teilte man mir an der Information mit, dass es zur Zeit noch keine Lounge für mein Lounge-Programm gibt und ob ich denn wüsste, wie das eben liefe mit den Lounges: Man kann dort nur in Ruhe sitzen, möchte man aber etwas essen oder trinken, dann gibt es das nur to-go und man muss die Lounge verlassen.


Nun ja. Also spazierte ich noch etwas durch den wirklich leeren neuen BER-Flughafen, an dem nur wenige Läden geöffnet beziehungsweise überhaupt bezogen waren und kaufte mir einen Kaffee um ihn am Gate zu trinken.

Auf dem Rückflug nach Dubai war abgesehen von einem verspäteten Abflug in Berlin alles gut. Ich musste also im Eiltempo durch Amsterdam Shiphol düsen. Am Gate angekommen wurde mir schnell Fieber gemessen. Dann musste ich einen Zettel ausfüllen und unterschreiben, dass ich in den letzten Tagen nicht krank war, mich immer fit gefühlt habe etc. Der Flieger nach Dubai war schon weitaus voller als der Flug in Richtung Deutschland. Ich hatte trotzdem drei Sitze am Fenster für mich. Dieses Mal wurde auch Essen gereicht. Alles in allem ein sehr angenehmer Flug.

Bei Ankunft in Dubai durften wir erstmal sehr weit ohne Kontrollen laufen. Kurz vor der Immigration wurden unsere PCR-Tests mehr oder weniger schnell gecheckt. Dann war ganz normal Passkontrolle und mein Gepäck war auch schon da. Also nichts spektakuläres.


Am Ende hat alles sehr gut geklappt. Ich war wirklich angespannt und habe es erst glauben können, dass ich heim fliege, als ich wirklich im Flieger sass. Und ja, ich würde es sofort und immer wieder machen. Es ist eine neue Art des Reisens, aber wenn es eben momentan so ist, dann muss ich dies akzeptieren und werde mir dadurch weder nehmen lassen, meine Familie zu besuchen, noch zu reisen.



Ich grüße Dich,


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